4000er Grenze geknackt

Einmal mehr lud Heinz zum Bergsteigen ein. Nach der „Schnuppertour“ auf den Palü sollte es diesmal ein richtiger 4000er im Wallis sein, der Weissmies. Waren wir beim Palü noch zu dritt, liessen sich diesmal 6 unerschrockene namicsler und ein Gast auf diese Expedition ein und wurden vollumfänglich dafür belohnt.

Morgenessen auf dem Berner Eisenbahnviadukt

So starteten wir am Samstagmorgen um 6:42 Uhr in St. Gallen, der Zug führte uns über Zürich bis nach Bern auf das Eisenbahnviadukt. Da wir nicht als einzige das gute Wetter an diesem Wochenende ausnutzen wollten, war der Zug ordentlich mit Wandervögeln gefüllt, was Heinz spontan dazu veranlasste, ab Bern zwei Tische im Speisewagen zu reservieren. So sassen wir ab Bern im Speisewagen, gemütlich mit Morgenessen beschäftigt, als der Zug auf dem Viadukt plötzlich stoppte. Die Lautsprecherdurchsage informierte uns über einen technischen Defekt der Lokomotive und dass uns der Lösch- und Rettungszug wieder zurück nach Bern ziehen würde. Zum Glück sassen wir im Speisewagen…
Also erreichten wir mit einer Stunde Verspätung Saas-Grund. Gerade noch in letzter Sekunde fanden wir ein Sportgeschäft, bei dem das noch fehlende Equipment gemietet wurde. Für die Bergfahrt reichte es jedoch nicht mehr, wir mussten die Mittagspause der Bahn abwarten, was jedoch niemand wirklich störte, ein Alternativprogramm war schnell gefunden.

First steps on the glacier
Frisch gestärkt ging’s danach rauf bis zur Bergstation Hohsaas. Dort klärte uns Heinz über das Bergsteigen auf dem Gletscher mit Pickel und Steigeisen auf; war es doch für zwei von unserer Gruppe totales Neuland. Nach einem kurzen Spaziergang auf dem Gletscher gings dann runter zur Weissmieshütte SAC. Nina fühlte sich dabei sichtlich unterfordert, der doch optisch sehr nah wirkende Gipfel verführte sie zur folgenden Aussage: „Entweder wir gehen heute noch da rauf oder wir gehen runter in die Hütte und betrinken uns“. Wir gingen an diesem Tag nicht auf den Gipfel…
In der Hütte angekommen, durften wir mit Freude feststellen, dass die ansonsten recht überlaufene Hütte nur zu ca. einem dritten gefüllt war, wir hatten ein Zimmer für uns und jeder mehr oder weniger zwei Matratzen. Sandro, der den Komfort der französischen Berghütten zu schätzen gelernt hatte, zeigte sich sichtlich erleichtert darüber. Da die Hütte nur noch an diesem Wochenende geöffnet hatte, machten wir es uns zur Aufgabe, das noch geöffnete Weissweinfass leer zu trinken. Dies wurde perfekt kombiniert mit Seilkunde auf der Sonnenterasse. Nach Suppe, Salat, Schnitzel mit Tomatenspaghetti, Dessert und Rotwein ging’s dann bald in die Federn.

Bergsteigen != Ausschlafen
Um halb fünf war Tagwacht, schon bald war das Morgenessen verschlungen und dem grossen Tag konnte nichts mehr im Wege stehen. Nach ca. 1.5 h marschieren hiess es dann Steigeisen montieren und Anseilen.

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Heinz führte die Seilschaft mit Christoph, Jürgen und Sandro an; ich übernahm zusammen mit Nina die andere Seilschaft, Marco war als Hochtourennovize in der Mitte. Schon bald war die Schlüsselstelle (40° steile Wand, unten in Gletscherspalten abfallend) erreicht. Plötzlich reduzierte sich das Vokabular von sonst sehr kommunikativen Personen auf wenige Kraftwörter. Oberhalb dieser durften wir nicht lange Pause machen, eine kräftige Bise empfing uns. Mein Taschentuch war nach Gebrauch innert weniger Sekunden gefroren…

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Bald kam die Sonne und der Wind nahm ab, was das Ganze schon viel angenehmer machte. Von diesem Punkt an waren es dann noch teilweise etwas ausgesetzte 300 hm auf den Gipfel, den wir alle trotz kalten Füssen und starkem Schnaufen erreichten.
Was war das für ein Gefühl, das erste Mal auf einem Gipfel zu stehen, der die 4000er Grenze überragte! Für fünf von unserer Gruppe war es der erste 4000er! Und dann dieses Panorama! Alles Leiden vom Aufstieg war vergessen.

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Marcos Downhill
Nach dem Lunch auf 4017 m über Meer stand der Abstieg auf dem Programm. Plötzlich kam Leben in Nina, galt es doch, die tiefgefrorenen Füsse zu tauen. Im Laufschritt führte sie unserer Seilschaft runter, Marco, das erste Mal auf Steigeisen unterwegs, konnte nicht anders als im gleichen Tempo mitlaufen, da angeseilt. Am Anfang etwas unsicher, meisterte er der komplette Abstieg souverän. In der anderen Seilschaft führte Sandro den Abstieg an, etwas langsamer aber genau so souverän meisterten die anderen beiden Novizen Christoph und Jürgen den gesamten Abstieg, natürlich immer unter fachkundiger Kontrolle von Heinz.
Danach verabschiedeten wir uns von Sandro und Nina, die am Abend noch ein Programm hatten und darum keine Zeit mehr fanden für ein Bier auf der Sonnenterrasse. Die andern liessen dieses super Wochenende gemütlich bei Pommes und Bier ausklingen und reisten danach ohne Stress zurück nach St. Gallen.

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