Das Allalinhorn

Wieder einmal lud Heinz Namics Mitarbeiter ein, auf eine Bergtour mit zu kommen. Das Ziel, das er dafür ausgewählt hat, ist ein 4000er, liegt im Wallis bei Saas Fee und ist einer der 4000er, die man am leichtesten besteigen kann – wenn man den leichtesten Weg geht.

Wir sind natürlich einen Umweg gelaufen, der auch etwas Nervenkitzel mit sich bringt. Auch wenn – oder gerade weil – das im Detail nicht allen Teilnehmern so ganz klar war, haben wir uns zu acht mutig auf den Weg gemacht: Heinz führte die erste Seilschaft mit Christoph, Michael und Jürg an; Bernd und David hatten das große Los gezogen, die Seilschaft mit Franzi und Evelyne zu übernehmen.

Die Vorbereitung
Beim Bergsteigen sind drei Faktoren entscheidend: Die Kondition, die Technik und die Psyche. Und da bei dieser Tour die Annahme war, dass keine große Kondition erforderlich sein wird und die technischen Herausforderungen überschaubar sein werden, würde die Psyche bestimmt auch mitspielen…

Die Kondition
Treffpunkt war morgens nicht etwa um 4 Uhr, sondern erst um 8 Uhr am Bahnhof im St. Gallen. Nachdem nach und nach alle auf der Strecke zugestiegen waren, sind wir von Saas Fee bis auf ca. 2900 m hoch auf das Felskinn gegondelt, um dort gemütlich innerhalb von ca. 2 Stunden auf die Britanniahütte (ca. 3000 m) aufzusteigen. Die Hütte war geradezu komfortabel und bot Frühstück für unsere Tour ab 4.30 Uhr an. D.h. auch am zweiten Tag sind wir nicht wie geplant schon um 3 Uhr, sondern erst um ca. 5 Uhr los, um dann in einem sehr angenehmen und höhenverträglichen Tempo, den Anstieg in Angriff zu nehmen. Zwar hat der Anstieg dann etwas länger gedauert als angekündigt, aber dafür hatte jeder ausgiebig Zeit den Sonnenaufgang und die Aussicht zu geniessen oder seinen Bedürfnissen in beliebiger Häufigkeit nachzukommen… :-)

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Die Technik
Um die Bergeinsteiger der Truppe nicht unvorbereitet auf den Gipfel zu schicken, hat Heinz den ersten Tag dazu genutzt, uns mit dem Material (Steigeisen, Pickel, Seile, Knoten, Gurt…) vertraut zu machen und einige Sicherheits- und Klettertechniken mit uns zu üben. Beim Wir-bremsen-mit-dem-Pickel-bevor-wir-den-Abhang-abrutschen haben wir uns alle recht gut geschlagen. Dagegen hat die Übung, eine gerade mal 2 Meter hohe Schnee-Eis-Wand hochzuklettern, nicht bei allen geklappt: Franzi und Evelyne konnten sich trotz eifrigem Pickeleinsatz nicht über die Kante hieven. Dafür wussten wir danach, was für ein herrliches Gefühl es ist, wenn man am Seil hochgezogen wird.

Am nächsten Tag musste glücklicherweise keiner von uns diese Übungen anwenden. Dennoch haben wir beim Gang über den Gletscher die Tücken von Gletscherspalten kennen gelernt. Merke: Auch wenn schon viele über eine Gletscherbrücke gelaufen sind, muss diese nicht auch bei dir halten. Das musste Franzi leider am eigenen Leib früh morgens erleben, ist aber bis auf den ersten Schock unversehrt davon gekommen. Übel war dagegen der lange, steile, vereiste Hang, der uns am Grat entlang bis zur Schlüsselstelle führte. Hier konnte auch das sichere Gefühl des Seils zum Vorder- und Hintermann nicht immer darüber hinweg täuschen, dass ein Fehltritt sehr unangenehme Folgen haben könnte. Drum war die Devise: Lieber das Steigeisen 2-3 mal in den Boden rammen, gaaanz langsam immer schön im Rhythmus einen Schritt vor den Pickel setzen, damit die Wir-bremsen-mit-dem-Pickel-bevor-wir-den-Abhang-abrutschen-Übung definitiv nicht in die Praxis umgesetzt werden muss. David hat sich von solchen Stellen nicht aus der Ruhe bringen lassen und hat ungefähr die höchste Stelle am Grat dazu genutzt, um sich zu erleichtern. Das nenne ich trittsicher und schwindelfrei!

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Die Psyche
In der Nacht vor dem Anstieg hat mich mein Magen kaum schlafen lassen. Ist das das erste Zeichen für eine schwache Psyche? Das beste für die Psyche jedenfalls sind Steigeisen. Ich liebe seit dieser Tour Steigeisen. Eine wunderbare Erfindung. Manchmal helfen aber auch Steigeisen nicht, um die Psyche im Griff zu halten. Kurz vor der Schlüsselstelle habe ich geglaubt, umdrehen zu müssen und damit Bernd und der ganzen Seilschaft einen Schrecken eingejagt. Bernd hat mir empfohlen, einfach los zu heulen, weil das immer helfen würde. Es ging dann erstaunlicherweise auch ohne weiter – weil umdrehen und da wieder runterlaufen, war definitiv keine Alternative!

Die größte Herausforderung für alle Bergsteiger wartete wenig später. Auch wenn man das als Einsteiger nicht glauben mag: Diese Tour machen viele, so viele, dass man fast eine Stunde anstehen muss, um an einer Felswand hochklettern zu können. An der Stelle, an der wir warten mussten, mag sich vielleicht eine Gams wohl fühlen, aber für 20 Menschen war das ziemlich nervenaufreibend. Außerdem hat mich die Tatsache, dass ich noch nie eine Wand hoch geklettert bin, nicht gerade zuversichtlicher werden lassen. Glücklicherweise haben alle vor mir diese Herausforderung bravurös gemeistert, so dass auch ich mich da hoch getraut habe. Merke: Auch wenn die Knie nicht aufhören zu zittern, es geht immer irgendwie weiter…

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Das Dauergrinsen…
Mit dem Gipfelsturm auf 4027 m begann das Dauergrinsen: Glücklich sicher nach einem gefühlt 10-minuten kurzen Abstieg an der nächsten Gondelstation anzukommen, dankbar noch zu leben, froh dabei gewesen zu sein!
Ewige Dankbarkeit gelten HEINZ und BERND! Das war ein gewaltiges Erlebnis! Oder wie der Schweizer sagen würde: Des war hueregeil!

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2 Gedanken zu “Das Allalinhorn

  1. Danke Evelyne für den Bericht und das nochmal „fühlbare Erlebnis“.
    Es war klasse und ein wunderbares Wochenende!

    Auch von mir nochmals ein herzliches „morz merci“ an die anderen 7, was ein Spass!!

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