Namics Lab: „Escape the office! Ab in den Wald“

Unter dem Motto “Escape the office! Ab in den Wald” wagten sich 15 Namicsler im Rahmen des diesjährigen Labs während zwei Tagen an ein ganz neues Tätigkeitsfeld. Im Gegensatz zum Geschäftsalltag standen nicht Pixel, Codes, PowerPoint Folien oder Kennzahlen im Fokus, sondern das Schlagräumen, die lokale Vegetation und das Bäumefällen im Wald in Wildhaus.

Die Forstbetrieb Obertoggenburg AG nahm uns während dieser Zeit in ihr Team auf. Nach einer nicht endend wollenden Fahrt immer tiefer in den Wald lernten wir am ersten Tag von Forstwart Ruedi und dem Betriebslehrling Marco die Grundlagen der Forstarbeit kennen. Trotz regnerischem Wetter beschäftigten wir uns den ganzen Morgen mit der Schlagräumung eines Waldabschnitts. Die Schlagräumung hat zum Ziel, den Waldboden von Ästen zu befreien, welche nach der Rodung der Bäume liegengeblieben sind. Dadurch erhält der Wald die Möglichkeit sich schneller zu verjüngen. Der freigewordene Boden erhält mehr Luft und Licht, um neuen Setzlingen die Chance zum Gedeihen zu geben.

Namics Lab

Diese Waldpflege ist für Fauna und Flora von grosser Bedeutung. Die mannshohen Asthaufen bieten zudem Kleintieren wie Insekten, Mäusen, Fröschen usw. Schutz vor Feinden. Wirtschaftlich gesehen, rechnet sich diese Arbeit aber v.a. kurz- bis mittelfristig nicht, weshalb dies in privaten Wäldern meist nicht gemacht wird. Die Schweizer Holzindustrie hat aufgrund des hohen Preisdruckes keinen leichten Stand: Für einen erntereifen Baum von ca. einem m3 werden je nach Qualität noch knapp 120 CHF bezahlt – das obwohl der Baum mehr als 100 Jahre benötigte um auf die gewünschte Grösse heranzuwachsen. Da sich die Transportkosten zwischen 60 und 140 CHF bewegen, liegt die Marge entsprechend tief bzw. muss mittels Subvention unterstützt werden.

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Am Nachmittag lernten wir neben der weiteren Schlagräumung die Technik zum professionellen Fällen eines Baumes kennen. Marco, welcher in seinem zweiten Lehrjahr ist, fällte unter Anweisungen von seinem Ausbilder Ruedi einen Baum, um mehr Licht für Nachbarbäume und den Waldboden zu gewinnen. In kürzester Zeit landete der Baum mit einem lauten Krachen und einem kleinen Beben des Waldbodens genau an der geplanten Stelle. Trotz dem Einsatz moderner Technik, Bedarf der Beruf viel Erfahrung und ein gutes Gespür für die Natur. Die Verbundenheit der Forstarbeiter mit dem Wald konnte man regelrecht spüren. Bevor der Baum gefällt wird “spricht” Ruedi jeweils mit den Bäumen, um herauszufinden, ob sie noch gesund sind und wo ihr Schwerpunkt liegt. Zudem wird Sicherheit im Wald gross geschrieben. Ruedi achtete penibel darauf, dass die Sicherheitsregeln eingehalten wurden.

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Nach dem regnerischen ersten Tag, hatten wir am zweiten Tag mehr Glück mit dem Wetter. Die Sonne drückte durch die Baumkronen, der Waldboden war noch feucht und Schönheit der Natur vermochte uns in den Morgenstunden zum erneuten Anpacken zu motivieren. Der Betriebsleiter des Forstbetriebs, Reto Hürlimann, nahm ebenfalls am Programm teil und gab uns weiter spannende Einblicke ins wirtschaftliche und ökologische Umfeld der Forstarbeit. Er erwähnte, dass im Gebiet rund um Wildhaus nur noch ca. 20 Auerhühner leben. Die Vogelart ist in der Schweiz vom Aussterben bedroht. Die Schlagräumung und der dadurch wachsende Grünteppich gibt ihnen die Möglichkeit, sich besser zu verstecken und ihr Nest so zu platzieren, dass es von Feinden unentdeckt bleibt.

Am Mittag grillierten wir gemeinsam mit dem Forstteam und genossen die Mahlzeit in der freien Natur. Die Stärkung war nötig, da wir nach dem Mittag selber Hand anlegten. Wir durften, mit altbewährten Mitteln wie der Axt und Waldsäge, drei Bäume selbstständig fällen. Die gelernte Technik vom Vortag konnten wir so grösstenteils erfolgreich umsetzen. Die abgesägten Bäume wurden dann von Ruedi und Marco im Akkord von den Ästen befreit und mit dem Traktor und einem Stahlseil die steile Böschung hochgezogen. Wir konnten auch noch einen weiteren Aspekt der Forstarbeit kennen lernen: Wie besteigt man einen Baum richtig. Unter der Aufsicht von Ruedi wagten sich einige Namicsler so einige Meter in die Höhe.

Namics Lab im Wald

Die beiden Tage gaben uns nicht nur die einmalige Möglichkeit, eine ganz neue Tätigkeit kennen zu lernen und uns vom Büroalltag zurück zu ziehen. Wir lernten auch die Arbeit der Förster und Waldarbeiter sehr zu schätzen. Die richtige und umfassende Bewirtschaftung der Wälder stellt sicher, dass diese gesund bleiben und die Artenvielfalt gewährleistet bleibt. Dank dem unermüdlichen Einsatz können wir auch in Zukunft die Schönheit der lokalen Wälder und Tierwelt geniessen. Die Forstarbeiter haben uns auch gezeigt, dass manchmal Geduld und Einsatz gefragt ist, obwohl das Resultat der Arbeit erst viel später, im Wald als gewachsener Baum, sichtbar wird. Teamarbeit und gegenseitig aufeinander achten war ein weiterer Punkt, den wir aus dem Lab mitnehmen. Erfolgreiches Sägen war nur möglich, wenn beide an der Säge harmonisch arbeiteten und klar kommunizierten. Dabei immer mit Einbezug der notwendigen Sicherheitsstandards und der gegenseitigen Kontrolle.

Namics Lab Baumfällen

Trotz unseres kurzen Einsatzes verliessen wir den Wald mit dem Gefühl, einen sinnvollen Beitrag für diese wertvolle Arbeit geleistet zu haben. Die Labgruppe ist stolz auf die getane Arbeit, da wir nicht damit gerechnet hatten, in so kurzer Zeit so viel zu erreichen. Dafür danken wir dem Team des Forstbetriebs, welches uns diese Chance ermöglichte und uns mit viel Freude während zwei Tagen aufnahm.

Autoren: Reto Zigerlig, Lukas Wunderlin, Will Kölbener

 

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