Students Day Consulting. 2017. Namics.

Gastbeitrag von Bojan Stojkovic

Ende März 2017. Luzerner Pendler werden sich an diesen Monat noch lange erinnern können. Zugentgleisung und viertägige totale Bahnhofblockade. Um in St. Gallen nicht zu spät anzukommen, ging ich im frisch wiederbefahrenen Bahnhof Luzern bewusst eine Stunde früher auf den Zug. Als wir pünktlich losfuhren, fiel mir ein Stein vom Herzen. In Zug angekommen, lief der Kontrolleur eiskalt durch die Wagons und sagte nüchtern: „Alle aussteigen. Personenunfall zwischen Zug und Baar.“ Toll! Neuerdings muss man mehr als eine Stunde Puffer einplanen, um rechtzeitig mit der SBB ans Ziel zu gelangen. 9.20 Uhr in St. Gallen angekommen – 9.15 Uhr Türöffnung bei Namics – eilte ich die steile Strasse zu den Büroräumlichkeiten von Namics herauf. Rennen wollte ich, doch dann dachte ich mir, lieber zu spät als verschwitzt und stinkend eintreffen, und entschied mich bloss schnell zu laufen.

Ich sah das am Eingang aufgeklebte Blatt Papier mit der Aufschrift „Students Day Consulting. Vierter Stock. Wilkommen (Ja, richtig gelesen, nur mit einem „l“:)). Namics.“, riss dann die Tür auf und ging entschlossen zum Lift. Als sich die Lifttür öffnete, stand zu meiner Überraschung Nadine Mueller – Senior Recruiting Manager – mit etlichen Namensschildern in der Hand vor mir. Sie strahlte Power und gute Laune aus.

Namenstäfeli SDC

Nadine: „Halllooo. Du bist der …?“
Ich: „Bojan.“
Nadine: „Bojan Stijakovic.“ (Und übergab mir mein Namensschild, welches auch als Schlüsselanhänger fungieren kann.)
Bojan: „Stojkovic.“
Nadine: „Genau. Stojkovic. Sorry.“
Bojan: „Kein Problem.“
Nadine: „Vierter Stock.“
(Ich nickte)
Nadine: „Bis später. Ich komm auch gleich nach oben.“
Im Lift betrachtete ich die Aufschrift des Schlüsselanhängers. Frankfurt. Hamburg. München. St. Gallen. Zürich. Namics. Was ist mit Belgrad? Wieso haben sie Belgrad nicht geschrieben? Ok, ich muss den Besserwisser in mir stoppen, sonst kommt das heute nicht gut. Oder doch? Vielleicht suchen sie aufmerksame und kritische Arbeitskräfte? Ja, aber mit Klugscheissern möchte niemand zusammenarbeiten. Konzentrier dich.

Im vierten Stock angekommen, war der Töggelichaschte das Erste, was ich sah. Rechts daneben ein riesiges, gemütliches Sofa, auf welchem zwei Namicsler arbeiteten. Links die Bar und die Küche. Dort standen alle Studenten im Halbkreis um Bernd und Michael herum. Ich quetschte mich zwischen zwei Studenten und fing an zuzuhören. Da stand ich nun, in meinem Sakko, welches ich seit der Hochzeit meines Cousins nicht mehr anhatte, und versuchte möglichst kompetent auszuschauen. Das Hemd stopfte ich wieder in die Hose und nervte mich ab dem zu losen Gurt. Schon lange wollte ich ein weiteres Loch stechen, doch jetzt war es zu spät. Egal, hinunterrutschen wird die Hose schon nicht. Militärische Ruhn-Position einnehmen und einfach nicken. Der Zeitpunkt, wo du brillieren kannst, wird schon noch kommen, nur die Ruhe. Keine überhasteten Aktionen.

Plötzlich unterbrach Michael Rottmann – Head of Business Consulting – das Gespräch und fragte uns, ob wir einen Kaffee wollten. Einzelnen Studenten – so auch mir – schaute er in die Augen und wiederholte die Frage in Du-Form. „Willst du ein Kaffee? Soll ich dir einen Kaffee machen?“ Dankend lehnte ich ab und war geschockt. Er – Head of Business Consulting – kannte mich – random student – ein paar Sekunden und wollte mir einen Kaffee machen. Hier sind die Hierarchien tatsächlich flach, das ist nicht bloss leeres Geschwätz. 

Wenige Augenblicke später huschte Nadine, die uns den ganzen Tag liebevoll zur Seite stand, mit uns ins Sitzungszimmer. Jeder schnappte sich noch ein Gipfeli oder eine Frucht und richtete sich ein.

Lars SDC 1

Michèle Motterle – Senior Consultant – präsentierte uns den Consultant-Teil. Nach einer kurzen Einführung liess sie den Münchner Komiker Harry G den Berateralltag beschreiben:
[1min12sec] „Und sobalds dann gar keine sozialen Kontakte mehr haben, werden sie Senior Consultants. (…) Und dann fahrens jeden Tag um halbe acht mit ihrem langersehnten Porsche Cabriolet von Tiefgarage zu Tiefgarage.“
An dieser Stelle lachte Michael laut heraus. Was lacht der, fragte ich mich. Hat er auch einen Porsche und keine sozialen Kontakte mehr? Nein. Am Abend beim Apéro sollte sich herausstellen, dass er einen langweiligen VW Sharan fährt, um seiner Familie möglichst viel Platz bieten zu können.

Nach dem zweiminütigem Video von Harry G diskutierte Michèle über die Klischees im Beraterleben. Nach ihr präsentierten bis 12.30 Uhr weitere drei Mitarbeiter aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen und ermöglichten uns einen gründlichen Einblick in das Unternehmen. Insbesondere die neueingeführte Digital Consultant Academy, welche einen Neueinsteiger in 18 Monaten befähigen soll, die Aktivitäten eines Beraters erfolgreich auszuführen, weckte unser Interesse. Nebenbei fiel mir auf, wie unfassbar gut die Namicsler präsentierten. Wenn ich Studenten an der Uni bei Vorträgen zuhöre, denke ich oft höhnisch, dass ich das viel besser kann und versinke dabei in Hochmut. Namics spielt da in einer anderen Liga, was mich nervös machte. Meine angebliche Stärke verblasste mit jedem weiteren Satz, welchen diese jungen und kompetenten Menschen aussprachen.

Veronika SDC

Den Mittag gestaltete Namics dynamisch, was mir ausgesprochen gefiel. Es wurden drei Gruppen mit unterschiedlichen Fallstudien gebildet, und jedem wurden ein Brezelsandwich und ein riesiger Salat in die Hand gedrückt. Danach wurden die Gruppen in verschiedene Sitzungszimmer verteilt. Wir assen gemütlich zu Mittag, lernten uns dabei gruppenintern kennen und dachten, wir hätten bis 16.00 Uhr mehr als genug Zeit, um die Fallstudie zu lösen und eine Präsentation zu erstellen. Die Frage war aber so offen gestellt, dass wir am Schluss hektisch bis zur letzten Sekunde diskutierten und Slides zu Ende schrieben.

Meine Gruppe hatte das Vergnügen, als erste vorzutragen. Ich, vermeintlich guter Präsentator, sagte in meinem zweiten oder dritten Satz: „Da wir Zugang zu eurer Internetseite haben, haben wir herausgefunden (…).“ WTF?! Jeder, der Internet hat, kann die Seite aufrufen. Bravo. Guter Berater. Egal. Ich bin der Erste, der heute präsentiert, versuchte ich mich zu beruhigen. Versau den Rest nicht und schreib einen guten Blogeintrag, dann vergessen sie diesen Müllsatz wieder. Im Vorfeld der Präsentationen hatte Nadine uns gewarnt, dass die Namicsler schauspielern werden. Wir sollten die Fragen am Schluss der Präsentation nicht allzu ernst nehmen, gleichzeitig aber Mut beweisen und zu unserer Meinung stehen, weil das Namics ausmache.

Nach den Präsentationen lockerte sich die Stimmung und wir durften uns am italienischen Buffet bedienen. Es war sogar eine Servicefachkraft vor Ort und behandelte uns wie Könige. Das Apéro dauerte Stunden. Um 20 Uhr entschied ich mich zu gehen, weil man bei der SBB nie weiss, welche Überraschungen sie bereithält. Als ich mich von allen persönlich verabschiedete, sagte mir Nadine, sie hätte noch ein Geschenk für mich. Danach griff sie zur Tasche und übergab mir einen neuverpackten Schirm mit der Aufschrift: „Partner. Namics.“ Das würde mir gefallen, dachte ich, und machte mich auf die Socken.

Apero SDC 2

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