1995: Vom Fliegen und fliegenden Gummischeiben

1995, was für ein Jahr! Ich wurde 9 Jahre alt, kam von der zweiten in die dritte Klasse und fühlte mich im 500-Einwohner-Dorf Herdern pudelwohl.
Für mich ging es gleich mit einem Paukenschlag los. Da meine grosse Schwester bei einem Wettbewerb das richtige Händchen bewies, hiess es für sie, meinen grossen Bruder und mich: Fasten your seatbelt. Zusammen mit der Mutter brachen wir früh morgens des 30. Januars zum Flughafen Zürich-Kloten auf und bestiegen den Flieger nach Genf. Für uns drei Sprösslinge war es der erste Flug und wir freuten uns nach dem viel zu frühen Frühstück ungeheuerlich auf die gesalzenen Nüsse und den Orangensaft ein paar Meter über dem Boden. Trotz verregnetem Tag, bekamen wir den Jet d’eau zu sehen und konnten beim damals noch existierenden Wendy’s ein leichtes und äusserst kaloeriengerechtes Mittagsmenü einnehmen. Später erfolgte dann zurück nach Zürich der zweite Flug meines Lebens. Was für ein Erlebnis!

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Den Sommer über arbeitete ich dann stark an meinen Künsten im Kartenspielen. Poker war damals noch nicht populär (damals wohl nahezu inexistent in der Schweiz), weshalb ich mich besonders auf das Kultspiel Uno spezialisierte. Um so ein richtiger Zocker zu sein und Sieg um Sieg einzustreichen, war es natürlich essentiell, keinerlei Miene zu verziehen. So steckte ich mir dann wie ein richtiger Profi auch eine Zigarette an. Kurz darauf musste ich allerdings feststellen, dass der darin enthaltene Kaugummi im Mund eben doch besser schmeckt als in einem Papierchen eingerollt. Dies waren meine letzten Zigaretten für den (bisher) Rest meines Lebens…

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Da das Jahr mit einem Highlight begann, sollte es auch so enden: Nach dem Aufgeben des Rauchens konnte ich mich wieder dem Sport widmen: Im Winter davor durfte ich zum ersten Mal im Eishockey im Tor stehen. Nun war ich fix gesetzt und konnte mich das ganze Jahr von herumfliegenden schwarzen Hartgummischeiben (auch genannt: Puck) beschiessen lassen – was sogar noch ordentlich Spass machte. Ich hatte genug davon, als Verteidiger dauernd hinten zu stehen und keine Tore schiessen zu dürfen. Also wollte ich diese ab jetzt verhindern. Mein erklärtes Ziel war damals klar: Ich wollte der beste Torhüter der Welt werden und eiferte dem grossen Patrick Roy nach. Obwohl ich dies dann doch nicht ganz so ehrgeizig verfolgte, hätte ich mir sicher nie erträumen lassen, dass ich 15 Jahre später als 2. Liga Schiedsrichter und Journalist (als Blogger und in einem Print-Magazin) tatsächlich einen ganz kleinen Teil meines Lebensunterhaltes mit Eishockey würde finanzieren können.
Schlussendlich erwies sich der Wechsel ins Tor als die richtige Veränderung und nach der ersten Saison 1995-96 folgten bis heute noch 14 weitere beim „coolest game on earth“.

PS: 1995 merkte ich nicht nur, dass Verteidiger sein doof und Fliegen cool ist, sondern 1995 haben Andreas Göldi, Philipp Lämmlin und Hans Meli die Firma Delta Consulting, die heutige Namics gegründet. Und, was hast Du 1995 gemacht?

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1995: die Motorradprüfung, die Vespa und die Liebe zur Fotografie

Post von Ralph Hutter alias Pixelfreund

Weisst Du, wass Du 1995 getan hast? Klar weisst Du das. Aber hast Du auch Fotos von 1995? Ich bin ein wenig short an Fotos aus der 90ern.

Die 90er Jahre sind meine persönliche fotografische Wüste. Endlich der Pubertät entwachsen und erst Fuss fassend im Erwachsenenleben gibt es keine Fotos mehr, die meine Eltern in allen möglichen und unmöglichen Lebenssituationen gemacht hätten und andererseits waren Digitalkameras noch nicht weit verbreitet, geschweige denn erschwinglich. Es gibt schlicht und ergreifend kaum Fotos von mir aus dieser Zeit (Man könnte jetzt auch einfach froh sein, nicht zur „Du wurdest in Facebook markiert“ Generation zu gehören).

1995 war das Jahr nach meiner Lehre bei Raiffeisen Schweiz und dem Abschluss der Rekrutenschule. In einem schwierigen Jahr für Lehrabgänger war ich glücklich, dass ich trotz Militärdienst eine weitere Anstellung im Börsen-Backoffice von Raiffeisen erhalten hatte. Ein Jahr der Orientierung. Musik, Fotografie, Motoräder und eine mögliche Karriere in Richtung „EDV“ waren die Themen, die mich 1995 bewegt haben.

Fotografie

Fotografie war ein grosses Thema. Ich präsidierte die Foto-Jugi, einen Fotoverein für Jugendliche mit kleinem Studio und Schwarz-weiss Labor im Keller des Schulhaus Talhof in St. Gallen. Mit einer Canon A1, die ich heute selten noch im Einsatz habe, hatte ich über Jahre Fotos gemacht, die S/W Filme selber entwickelt und erste Shooting Erfahrungen im Studioumfeld gesammelt. Allerdings nicht selber vor der Linse. Daher kommt vermutlich meine Liebe zur Lomo und der Polaroid Kamera aber auch zu den iPhone Apps wie Quadcam oder Hipstamatic.

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Quelle: Wikipedia

1995 stand zu Hause ein 486er PC mit Midi Interface, DX7 und Sequenzer, die zusammen nie richtig funktioniert hatten. Mit Schulfreunden spielte ich in einer veritablen Grunge Band. Der Synthi fand einfach keinen Platz in einem klassischen 4er Combo. Bass, Gitarre, Schlagzeug, Gesang. Weil wir keinen passenden Sänger auftreiben konnten und das Piano überflüssig war, habe ich gezwungenermassen und gleichzeiti erfreut die Vocals übernommen. Ein Jahr klassischer Gesangsunterricht hat mich mindestens in die Materie eingeführt. 1995 haben wir für „Musig uf de Gass“ im Vorfeld des Open Air St. Gallen auf dem Gallusplatz gespielt. Ein Jahr später haben wir die Grabenhalle in St. Gallen rappelvoll gefüllt, was der Höhepunkt in meiner Musikkarriere bleibt #rocknrollthunder.

Saiten Ausgabe Juni 1995 - Musig uf de Gass

Kulturmagazin Saiten: Ausgabe Juni 1995 – Musig uf de Gass

Motorräder

1995 habe ich das ultimative Upgrade erlebt. Direkt von der Vespa auf eine Suzuki 1100G, um die schwere Motorradprüfung abzulegen. Ein grossartiges Motorrad. Kardanantrieb, 5-Gänge, dauernde Probleme mit Zylinderkopf Dichtungen und auch sonst unzuverlässig; aber Dampf ohne Ende. Die Suzuki habe ich wenige Jahre später gegen einen roten Peugeot 205, 1.1 Liter mit Hagelschaden eingetauscht. Die Vespa hingegen begleitet mich noch heute im Zürcher Stadtverkehr.

EDV und so.

Ich habe gewusst, dass jetzt was Grosses abgeht „in der EDV“. Während der Lehre hat das Unternehmen von IBM Kugelkopfmaschinen auf 8088er PCs umgerüstet und an der Berufsschule wurde von Schreibmaschinen auf „Textverarbeitung“ mit Word Perfect umgeschult. Bereits ein Jahr später wurde das erste Word für Windows eingeführt, auf welchem ich glücklicherweise die Lehrabschlussprüfung absolvieren konnte. In der Berufsmatura haben wir DBase Datenbanken programmiert und auch „von diesem Internet“ gehört.

Beschlossene Sache. Ich würde meine Karriere in Richtung „EDV“ lenken. Die Musiker Karriere war nicht mehr so dringlich und die Digitalfotografie in einer enorm spannenden Phase. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher ob es 1995 oder 1996 war, als ich mir meine erste Digitalkamera angeschafft hatte. Ein mittleres Vermögen für ziemlich lausige Qualität mit Akkulaufzeit von weniger als einer Stunde und natürlich endlosen Treiberproblemen am PC zu Hause.

Geblieben sind mir von 1995 die Motorradprüfung, die Vespa und die Liebe zur (Digital-)Fotografie. 1995 – Ein gutes Jahr.

P.S.: 1995 war nicht nur mein kreatives Jahr. Andere haben kreative Firmen gegründet. – Andreas Göldi, Philipp Lämmlin und Hans Meli haben die Firma Delta Consulting, die heutige Namics gegründet. Und was hast Du 1995 gemacht?

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1995 – Pfadilager mit Girlie-Power

Es war im Sommer ’95. Meine Pfadiabteilung „Quivelda Weinfelden“ fuhr ins Sommerlager. Selbstverständlich hat mir das gefallen. Es war das Jahr nach dem grossen Bundeslager 1994 im Napfgebiet. Unsere Mädelsabteilung war wieder auf sich alleine gestellt: Keine nächtlichen Ausflüge zu fremden Bubenabteilungen. Keine auf-Mulden-improvisierten Latrinen. Mehr als einmal die Woche Zähne putzen. ;-)

Meine Pfadimädels und ich verbrachten das Sommerlager 1995 im neben dem berühmten appenzellischen Kurhotel Hofweissbad – selbstverständlich in Zelten. Ich trug zu dieser Zeit Adidas-Turnschuhe mit Klettverschlüssen, gestrickte Pullis von meiner Oma oder gerne auch Leggins und stand kurz vor dem Übertritt an die Oberstufe (sehr erwachsen!). Wir waren jung, frech und konnten es nicht abwarten, die Welt zu erobern.

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An einem Nachmittag durften wir tapferen Pfadfinderinnen ein Musikvideo nachspielen (jaaa, es muss nicht immer Schlamm, Dreck, Knoten und Sarasanis in der Pfadi sein). Welches Lied lag da näher als Lucilectric mit „weil ich ein Mädchen bin“. Der Song lief in der Endlosschlaufe auf den verdächtigen Musiksendern. Wir kannten jede Zeile auswendig und wollten genau so frech und selbstsicher sein wie Luci van Org. Wer den Part der Sängerin übernahm, ist hier nicht weiter erwähnenswert. Ich hoffe, dieses Videoband taucht nie wieder auf. Alle anderen, die auf dem Foto erkennbar sind, mögen mir verzeihen. Es war einfach toll!

PS: 1995 war nicht nur die Zeit der Girlies, sondern 1995 haben Andreas Göldi, Philipp Lämmlin und Hans Meli die Firma Delta Consulting, die heutige Namics gegründet. Und, was hast Du 1995 gemacht?

1995 – spielte ich in einer Trash-Metal Band…

…und hatte lange Haare. Tja. So war das. Kein Scherz. Die Band hiess „Weevil“ und klang in etwa so:

Weevil – Bastard by afischler

Ihr dürft nun dreimal raten, welche Part ich in der Band hatte ;)

1995 war aber auch sonst ein spezielles Jahr, in welchem ich das Elektrotechnik-Studium an der ETH abgebrochen habe und gemeinsam mit einem guten Freund Europa mit einem VW-Bus erkundete:


Created with Admarket’s flickrSLiDR.

Nach der kleinen Europa-Reise habe ich dann beschlossen, mich an der Universität St. Gallen einzuschreiben und fortan einen etwas stetigeren Lebenswandel zu zelebrieren.

PS: 1995 war in meinem bisherigen Leben aber nicht nur ein ereignisreiches Jahr mit vielen Weichenstellungen, sondern 1995 haben Andreas Göldi, Philipp Lämmlin und Hans Meli die Firma Delta Consulting, die heutige Namics gegründet. Und, was hast Du 1995 gemacht?

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